Zertifikatslehrgang
Zertifikatslehrgang beteiligungsorientierte Führung, Strategie und Kommunikation
Die kurz-, mittel- und langfristigen Veränderungen in der Industrie, in den Unternehmen und nicht zuletzt in der Gesellschaft stellen die Betriebsratsarbeit vor neue Herausforderungen. Betriebsräte müssen sich auf die Veränderungen durch die industrielle Transformation einstellen, die verbunden ist mit neuen Geschäftsmodellen sowie digitalen und automatisierten Prozessen. Hinzu kommt die gesellschaftliche Transformation, die zu einer zunehmenden Virtualisierung und Individualisierung bis hin zur Spaltung von Belegschaften führt. Zeitgleich führt die ökologische Transformation zu einem enormen Druck auf Produktion und Arbeitsplätze – insbesondere in der Zulieferindustrie. Kurzum, es wird für Betriebsrät*innen immer schwerer, ihrer Rolle als Interessenvertreter*innen gerecht zu werden.
Für Betriebsrät*innen und vor allem für Vorsitzende und ihre Stellvertreter*innen steigen daher die Anforderungen an die Entwicklung und Umsetzung zukunftsfähiger Ideen und Strategien, aber auch an ihre tägliche Arbeit im Betrieb. Wie kann der Arbeitsalltag bei all den Herausforderungen agil gestaltet werden? Wie kann ich mein Team zeitgemäß führen und den Betriebsrat nach innen und außen vertreten? Welches Handwerkszeug brauche ich, um die wirtschaftliche Situation in meinem Betrieb zu beurteilen? All diese Fragen verweisen auf methodische, fachliche und sozial-kommunikative Kompetenzen, die wir im Rahmen dieser Modulreihe vermitteln und gemeinsam mit den Teilnehmer*innen erarbeiten wollen.
Wir sind davon überzeugt, dass die Mitbestimmung ein enormes Potenzial birgt, auch diese Phase der Transformation erfolgreich für die Beschäftigten zu gestalten. Dabei werden eine moderne, beteiligungsorientierte Betriebsratsarbeit und die personelle Kraft der Mitbestimmung eine entscheidende Rolle spielen.
Zielgruppen
Der Zertifikatslehrgang richtet sich an Betriebsratsvorsitzende und stellvertretende Vorsitzende. Der Erfahrungshorizont ist dabei unerheblich – Kolleg*innen mit einem Jahr Führungserfahrung sollen gemeinsam mit Kolleg*innen mit vielen Jahren Führungserfahrung lernen. Der Lehrgang soll dabei unterstützen, die Rolle als Betriebsratsvorsitzende*r noch besser auszufüllen.
Außerdem kann der zertifizierte Lehrgang ein Sprungbrett in ein späteres Studium sein, denn einzelne Module können (bei inhaltlicher Übereinstimmung) für Studiengänge – zum Beispiel an der University of Labour – angerechnet werden. Insofern kann der Lehrgang die Grundlage für einen akademischen Einstieg und ein erstes Eintauchen in ein Studium – auch ohne Abitur – bilden.
Um eine gute und produktive Lehr- und Lernatmosphäre zu gewährleisten, sollte eine Gruppengröße von 20 Teilnehmer*innen nicht überschritten werden.
Das Lehr- und Lernkonzept
Der berufsintegrative Zertifikatslehrgang besteht aus vier Modulen, die nacheinander innerhalb eines Zeitraums von etwa 1 Jahr absolviert werden. Jedes Modul hat ein Zeitfenster von etwa 8 Wochen und ist wie folgt aufgebaut:
Dreitägige Präsenzveranstaltung:
Hier vermitteln verschiedene Referent*innen aus Wissenschaft und Praxis die zentralen Inhalte und Kompetenzen des Moduls. Dabei kommen unterschiedliche Lehrformen zum Einsatz (z.B. Vorlesungen, Übungen, Gruppenarbeiten und Rollenspiele)
Selbstlernphase:
In der Selbstlernphase können die Teilnehmer*innen das erlernte Wissen vertiefen und wenden es auf die betriebliche Praxis an. Jedes Modul schließt mit einer Prüfung ab: Modul 1 mit einer Klausur, alle weiteren Module mit einem „Transferdokumentationsreport“ (TDR). Der TDR ist eine schriftliche Ausarbeitung von mindestens 6 Seiten, in der die Teilnehmer*innen das erworbene Wissen auf ein konkretes Problem aus der eigenen Praxis anwenden. Auf diese Weise wird die erlernte Theorie unmittelbar angewendet und kann dabei helfen, aktuelle Probleme des eigenen Arbeitsalltags strukturiert anzugehen und zu lösen. Die Teilnehmer*innen können dabei ihr individuelles Tempo zeitlich flexibel bestimmen und werden im Prozess natürlich nicht allein gelassen: Die Dozent*innen bzw. Modulverantwortlichen stehen beratend zur Seite – von der Ausformulierung einer konkreten Problemstellung über die Literatursuche bis hin zur Strukturierung der Arbeit. Modul 4 schließt mit einem TDR und einer Präsentation zum Praxisprojekt ab.
Module und Inhalte
Der Zertifikatslehrgang besteht aus vier Modulen, die den Teilnehmer*innen soziale, fachliche und methodische Kompetenzen vermitteln, um die Interessen der Beschäftigten gegenüber dem Arbeitgeber kompetent auf Augenhöhe zu vertreten – insbesondere vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Transformationsprozesse. Die neu gewonnenen Kompetenzen bieten das nötige Rüstzeug dafür, sich flexibel auf Veränderungen, Unsicherheiten und zunehmende Komplexität einzustellen. Die Module werden von exzellenten Referent*innen aus Wissenschaft und Praxis durchgeführt und von den Modulverantwortlichen der University of Labour begleitet.
Abschluss
Die Teilnehmer*innen erhalten nach Abschluss des Zertifikatslehrgangs und bei Ablegen aller Prüfungsleistungen (Klausur, Präsentationen und Transferdokumentationsreports) ein auf sie persönlich ausgestelltes Hochschulzertifikat der University of Labour, das die Anzahl von 24 Credit Points* ausweist. Alternativ besteht die Möglichkeit, den Lehrgang ohne Ablegen der Prüfungsleistungen zu absolvieren. In diesem Fall erhalten die Teilnehmer*innen ein Teilnahmezertifikat mit den besuchten Modulen und Zeitstunden.